Bremer Stadtmusikanten

Das wohl bekannteste Wahrzeichen der Hansestadt sind die Bremer Stadtmusikanten. Eine Bronzestatue von Gerhard Marcks erinnert seit 1953 an der linken Seite des Rathauses an das beliebte Märchen der Brüder Grimm. Esel, Hund, Katze und Hahn machten sich der Geschichte nach einst auf in die Stadt an der Weser, um hier ein besseres Leben zu finden.

 

Die Bremer Stadtmusikanten

Die Geschichte beginnt mit einem Esel, der eine lange Zeit für einen Mann an der Mühle gearbeitet hatte. Der Esel war schon ziemlich alt und schwach. Deswegen wollte sein Herr ihn wegschaffen. Das ahnte der Esel. Er lief fort, um in Bremen als Stadtmusikant sein Futter zu verdienen.

Auf dem Weg begegnete der Esel einem Jagdhund, der schwer nach Luft schnappte. „Nun, was atmest du so schwer?“ fragte der Esel. Der Jagdhund antwortete darauf: „Ich bin alt und werde jeden Tag schwächer! Ich kann auf der Jagd nicht mehr fort und mein Herr wollte mich totschlagen. Ich bin davon weggelaufen, aber womit soll ich jetzt mein Brot verdienen?“ „Komm doch mit!“ sagte der Esel, „Ich gehe nach Bremen, um dort Stadtmusikant zu werden. Ich spiele die Laute und du die Pauken!“ Der Jagdhund ging mit.

Der Esel und der Jagdhund sahen eine alte Katze, die an dem Weg saß und ein brummiges Gesicht machte. „Was ist passiert, alter Bartputzer?“ fragte der Esel. „Das Alter klopft an meine Tür“,  sagte die Katze. „Meine Zähne werden stumpf und ich sitze lieber hinter dem Ofen als nach Mäusen herum zu jagen und meine Frau hat mich ersäufen wollen. Ich habe mich fort gemacht, aber wo soll ich nun hin?“ „Komm doch mit uns nach Bremen und werde zum Stadtmusikant.“ Die Katze fand das gut und ging mit.

Zu dritt gingen sie weiter und es dauerte nicht lange, da trafen sie auf einen Haushahn, der schrie. „Du schreist einem durch Mark und Bein, was hast du vor?“ Und der Hahn antwortete darauf: „Die Frau hat kein Erbarmen, sie hat der Köchin gesagt, sie wollte mich morgen in der Suppe essen. Sie wollen, dass ich mir heute Abend den Kopf abschneiden lasse und ich schreie jetzt aus vollem Hals, solang ich noch kann.“  „Dann zieh lieber mit uns fort! Etwas Besseres als den Tod findest du überall! Du hast eine gute Stimme, wir können zusammen musizieren!“ Der Hahn nahm den Vorschlag an und machte sich mit den Anderen auf den Weg.

Da der Weg lang war, erreichten sie die Stadt Bremen nicht innerhalb eines Tages. Und so kamen sie abends in einen Wald, wo sie übernachten wollten. Der Jagdhund und der Esel legten sich unter einen großen Baum und die Katze und der Hahn machten es sich auf den Ästen bequem. Der Hahn flog bis nach ganz oben und beobachtete den Wald. In der Ferne sah er ein kleines Licht und schrie: „Da leuchtet eine Lampe! Das muss eine Hütte sein, da müssen wir doch hin!“ Sie hielten das alle für eine gute Idee und machten sich auf den Weg.

Als sie am Haus angekommen waren, merkten sie, dass es Räubern gehörte. Der Esel schaute durch das Fenster. Der Hahn fragte: „Was siehst du?“ und der Esel antwortete: „Einen gedeckten Tisch mit Essen und Trinken! Und Räuber sitzen daran und lassen es sich gut gehen.“ Da schlugen sie alle vor, die Räuber wegzujagen.

Der Esel tat seine Pfoten auf das Fenster, der Hund stieg auf seinen Rücken, die Katze auf den Rücken des Hundes und ganz oben landete der Hahn. Gleichzeitig fingen sie an, ihre Musik zu machen: Der Esel schrie, der Hund bellte, die Katze miaute und der Hahn krähte. Danach stürzten sie alle zusammen durch das Fenster in die Hütte hinein. Die Räuber fuhren bei dem grauenerregenden Geschrei in die Höhe und flohen in den Wald hinaus.

Nun setzten sich die vier Musikanten an den Tisch und machten sich an das Essen und Trinken. Als sie fertig waren, schalteten sie das Licht aus. Jeder suchte sich einen Schlafplatz. Der Esel lag auf dem Mist, der Hund hinter der Tür. Die Katze bei dem warmen Ofen und der Hahn auf dem Hahnenbalken. Sie waren alle müde und schliefen sofort ein.

Mitternacht war vorbei und die Räuber sahen aus der Ferne, dass das Licht endlich ausging. Als alles ruhig schien, entschied der Hauptmann, dass einer zurückkehren und das Haus untersuchen sollte. Der Abgeschickte fand alles ruhig und traute sich in das Haus. Er ging langsam in die Küche und hielt ein Schwefelhölzchen an die feurigen Augen der Katze, weil er sie für brennende Kohle hielt. Die Katze  sprang ihm ins Gesicht und kratzte ihn. Der Räuber erschrak gewaltig und wollte wegrennen. Er lief zur Hintertür hinaus, aber der Hund biss ihm ins Bein. Als er über den Hof an dem Mist vorbeirannte, gab ihm der Esel noch einen kräftigen Tritt mit dem Hinterfuß. Der Hahn fing an, aus vollem Hals zu schreien: Kikeriki!

Seinem Hauptmann erzählt der Abgeschickte, dass in dem Haus eine Hexe wohnen würde, die ihn angefaucht und gekratzt habe. Vor der Tür, so erzählte der Räuber, würde ein Mann mit einem Messer stehen. der ihn ins Bein stach. Auf dem Hof, so der Räuber, sei ein schwarzes Ungeheuer, das mit einer Holzkeule auf ihn schlug. Auf dem Dach sitze ein Richter, der „Bring mir den Schelm her“ schreien würde.

Die Räuber trauten sich nie wieder in das Haus. Den vier Stadtmusikanten gefiel das Leben dort sehr. Sie wollten es nie wieder verlassen.